
Neubau Feuerwehr Sachsenheim Kirbachtal: Funktional gegliedert, topografisch eingebunden und identitätsstiftend in der Landschaft.
Im Rahmen des städtebaulichen Entwurfs für den Neubau Feuerwehr in Sachsenheim Kirbachtal haben wir ein Konzept entwickelt, das die unterschiedlichen Funktionsbereiche klar gliedert und durch die Einbindung der Topografie und Freiflächen ein identitätsstiftendes und funktionales Gebäude in die Landschaft setzt.
Projektdaten
Architektonisches Konzept und Typologie
Der Neubau nimmt die prägenden Dachformen der umgebenden Bebauung auf. Zwei ineinandergeschobene, Baukörper mit Satteldach formen das Gesamtvolumen. Diese doppelte Dachstruktur reflektiert den dörflich-höfischen Charakter der Bromberger Höfe und interpretiert ihn zeitgenössisch. Die Silhouette öffnet sich nach Norden zu einer markanten „M“-Form: zwei spitz aufragende Giebelflanken, die dem Gebäude eine unverwechselbare Fernwirkung verleihen. Während zur Talseite ein eher scheunenhafter, funktionaler Ausdruck entsteht, zeigt sich das Gebäude zur Umgebung mit einem charaktervollen und identitätsstiftenden Profil.
Städtebauliche Ausgangslage und Entwurfsidee
Das Grundstück im Kirbachtal ist durch eine abfallende topografische Neigung geprägt. Diese Geländesituation bildet den Ausgangspunkt für die volumetrische Organisation des Neubaus. Die unterschiedlichen Funktionsbereiche der Feuerwehrhalle, Umkleiden, Verwaltung und Schulung werden präzise entlang des natürlichen Höhenverlaufs gestapelt. Hierdurch entsteht ein Gebäude, das sich nicht gegen die Topografie stellt, sondern sie konstruktiv nutzt. Der Entwurf folgt dem Ziel, kurze und intuitive Alarmwege zu gewährleisten, das Gefälle aufzunehmen und gleichzeitig eine klare städtebauliche Präsenz auszubilden.


Freiraumkonzept
Das Feuerwehrhaus ergänzt die gegenüberliegenden Bromberghöfe zu einem kleinen Weiler an der L1110. Der vorhandene Baumbestand mit Gehölzgruppen und Hecken zieht sich talwärts über das Grundstück und wird in den Außenanlagen aufgenommen. Lockere Baumstellungen umspielen Alarm- und Besucherstellplätze, Übungshof und Fahrzeugaufstellflächen, verdichten sich an den Rändern zu Baum- und Gehölzgruppen und gehen talseits in extensiv genutzte Wiesenflächen, Feldhecken und Baumgruppen über. Von Nordwesten binden Streuobstwiesen das Gebäude transparent in die Landschaft ein. Parkplätze und unbebaute Flächen bleiben weitgehend entsiegelt; Regenwasser wird über Gründächer, Baumkronen und Vegetationsflächen in Wiesenmulden geleitet, während verschmutztes Oberflächenwasser über Reinigungsstufen gesammelt wird. Starkregen fließt über Grünflächen und Mulden ab.
Die Fahrzeughalle liegt im unteren Geländeniveau, eingebettet ins Erdreich, wodurch Bauvolumen und Energieverbrauch reduziert werden. Direkt angrenzend befinden sich die Umkleiden für die Einsatzkräfte, die so einen kreuzungsfreien Übergang zur Halle haben. Öffentlich zugängliche Räume, Verwaltung und Schulung liegen auf Straßenniveau und bilden den adressbildenden Kopf des Gebäudes. Alarm- und Besucherparkplätze sind ebenfalls auf dieser Ebene angeordnet, sodass Einsatzkräfte unmittelbar den Alarmeingang erreichen. Eine klare vertikale Verbindung führt von dort zu den Umkleiden und weiter in die Fahrzeughalle, wodurch die Alarmkette logisch und kurz bleibt.

Regelbetrieb und Übungsbetrieb Erdgeschoss
Im Erdgeschoss, auf Straßenniveau, liegen der Eingangsbereich, der Schulungsraum sowie die Verwaltungsräume mit ihren Nebenflächen. Dieser Bereich bildet die Adresse des Gebäudes und ist zugleich der zentrale Ankunftsort für Besucher und Einsatzkräfte. Die Alarmparkplätzesowie die Besucherstellplätze schließen unmittelbar an dieses Niveau an und gewährleisten kurze Wege. Vom Foyer sowie aus den Verwaltungsbereichen besteht eine direkte Blickbeziehung zur eine Ebene tiefer liegenden Fahrzeughalle. Diese räumliche Verbindung unterstützt sowohl im Regelbetrieb als auch im Übungsbetrieb eine kontinuierliche Übersicht über den technischen Kern des Hauses. Während im Regelbetrieb hier administrative Abläufe und Ausbildungsaktivitäten stattfinden, ermöglicht die klare Sichtverbindung im Übungsbetriebeine sichere Beobachtung der Einsatzvorbereitungen und Fahrzeugbewegungen. Die funktionale Verzahnung beider Ebenen sorgt für effiziente Abläufe und einen schnellenÜbergang zwischen Alltag, Ausbildung und Einsatz.
Erschließung im Alarmfall
Eintreffende Einsatzkräfte erreichen mit ihren privaten Fahrzeugen über die Alarmzufahrtsofort die zugehörigen Alarmparkplätze. Direkt an diesem Bereich befindet sich der Alarmeingang des Gebäudes, der unmittelbar in das Treppenhaus führt. Von dort gelangendie Einsatzkräfte schnell und ohne Umwege in die Umkleiden im Hanggeschoss.Unmittelbar anschließend liegt die Fahrzeughalle, in der die Einsatzfahrzeuge bereitstehen. Von hier aus erfolgt im Alarmfall der schnelle Ausrückvorgang über die Nordseite des Gebäudes. Eine Ampelanlage an der Ausfahrt gewährleistet eine sichere und zügige Einfahrtin den öffentlichen Straßenraum und verhindert Konflikte mit dem übrigen Verkehr.





Einrücken und Dekontaminationsprozess
Gründlichkeit und Komfort haben beim Einrücken höchste Priorität und werden durch die Gestaltung konsequent unterstützt. Über die Alarmeinfahrt gelangen die Einsatzkräfte mit den Einsatzfahrzeugen direkt in die Fahrzeughalle. Das Grundstück bietet ausreichend Raum für ein komfortables Einrücken, Rangieren und Rücksetzen der Fahrzeuge, ohne den Betriebsablauf zu stören.Im Gebäude selbst gewährleistet eine klare und funktionale Raumabfolge beginnend bei der Stiefelwaschanlage über die Schwarzbereiche bis hin zu den Duschen und Umkleiden kurze, intuitive und effiziente Wege. Dieser Ablauf ermöglicht eine konsequente Hygiene und einen strukturierten Dekontaminationsprozess nach jedem Einsatz.










