
Neubau Feuerwache und Gefahrenabwehrzentrum in Baden-Baden – Funktion und Ordnung im Stadtraum
Mit dem Neubau der Feuerwache mit Gefahrenabwehrzentrum entsteht in Baden-Baden ein funktional hochleistungsfähiges und zugleich städtebaulich sensibel eingebettetes Gebäudeensemble. Der Entwurf verbindet klare Organisation, kurze Einsatzwege und eine robuste architektonische Sprache mit einer starken Einbindung in Landschaft und Umfeld.
Projektdaten
Städtebau und Architektur
Die neue Feuerwache mit Gefahrenabwehrzentrum Baden-Baden nimmt eine markante städtebauliche Position am westlichen Stadteingang ein. Der Baukörper folgt konsequent den Fluchtlinien der Europastraße im Nordosten sowie der Verbindungsstraße im Nordwesten. Südöstlich schließt das Gebäude unmittelbar an das bestehende Parkhaus an und übernimmt dessen Baukante. Die nach Westen abgestufte Gebäudestruktur vermittelt sensibel zur angrenzenden kleinteiligeren Bebauung.
Funktional und architektonisch ist das Gebäude klar gegliedert: Ein horizontal ausgebildeter, flacher Sockel beherbergt im Erdgeschoss die Fahrzeughalle sowie im 1. Obergeschoss Werkstätten und Lagerflächen. Oberhalb dieses Sockels sind die weiteren Nutzungen vertikal geschichtet: Im 2. Obergeschoss befinden sich die Sporthalle und Aufenthaltsbereiche, im 3. Obergeschoss die Verwaltungsräume und im 4. Obergeschoss die Leitstelle. Jedes Geschoss verfügt über eine eindeutige funktionale Zuordnung.
Die räumliche Trennung zwischen der Freiwilligen Feuerwehr im südwestlichen Gebäudeteil und der Berufsfeuerwehr mit Leitstelle im übrigen Baukörper wird durch separate Zugänge und differenzierte Erschließungssysteme konsequent unterstützt. Der 30 m hohe Übungsturm löst sich bewusst vom Hauptbaukörper und bildet ein weithin sichtbares, identitätsstiftendes Zeichen. Der Hauptzugang mit vorgelagerter Platzfläche orientiert sich zur Hauptstraße. Dieser öffentlich zugängliche Freiraum dient zugleich als Übungsfläche für die Feuerwehr und schafft eine klare Adressbildung im Stadtraum.
Erschließung und Freianlagen
Die Erschließung des Gebäudes ist funktional klar differenziert und auf einen reibungslosen Einsatzbetrieb ausgelegt. Einsatzfahrzeuge erreichen die Feuerwache über den neu geplanten Kreisverkehr im Südosten, während die Ausfahrt über die Verbindungsstraße zwischen Europa- und Schwarzwaldstraße erfolgt. Diese getrennte Verkehrsführung verhindert Rückstaus und gewährleistet eine schnelle und sichere Ausfahrt im Einsatzfall. Auch der reguläre PKW-Verkehr wird über den Kreisverkehr geführt, wodurch Einsatz- und Alltagsverkehr konsequent entflechtet werden.
Die Freianlagen sind als integraler Bestandteil des Entwurfs konzipiert. Entlang der Schwarzwaldstraße entsteht ein großzügiger Vorplatz, der sowohl als Übungsfläche für die Feuerwehr dient als auch die öffentliche Präsenz und Zugänglichkeit des Gebäudes stärkt. Fahrradstellplätze sowie Besucherparkplätze im unmittelbaren Eingangsbereich ergänzen das Freiraumkonzept und tragen zu einer klaren und übersichtlichen Erschließung bei.
Die innere Erschließung erfolgt über drei unabhängig organisierte Treppenhäuser, die jeweils definierte Gebäudebereiche bedienen: ein Treppenhaus für die Freiwillige Feuerwehr, ein weiteres für die Berufsfeuerwehr und die Verwaltung sowie ein drittes für die Fahrzeughalle und die Tiefgarage. Diese klare Trennung ermöglicht differenzierte Sicherheits- und Nutzungskonzepte. Kurze Wege innerhalb des Gebäudes garantieren zudem schnelle Ausrückzeiten. Sämtliche Geschosse sind barrierefrei erreichbar.




Konstruktion und Tragwerk
Der Neubau besteht aus einer Fahrzeughalle mit zweigeschossigem Lager, einem fünfgeschossigen Bürogebäude und einem gemeinsamen Untergeschoss. Das Bürogebäude lagert mit den obersten drei Geschossen zur Hälfte auf der Fahrzeughalle.
Das Hallentragwerk (ca. 87 m × 42 m) wird vollständig in Stahlbeton ausgeführt. Haupttragelemente sind im Abstand von 4,5 m angeordnete Stahlbetonrahmen mit etwa 1 m hohen Trägern, die jeweils auf zwei innenliegenden V-Stützen aufliegen. Diese Konstruktion ermöglicht eine Spannweite von 16,5 m und reduziert die Anzahl der Innenstützen, ohne den 16 m breiten Fahrbereich zu beeinträchtigen. Gleichzeitig leiten die Rahmen die Lasten der Obergeschosse effizient ab.
Das Untergeschoss, das zweigeschossige Lager sowie die unteren beiden Bürogeschosse sind ebenfalls in Stahlbeton geplant. Sie bestehen aus Flachdecken, Unterzügen, Stützen und Wandscheiben. Die oberen drei Bürogeschosse werden – mit Ausnahme der beiden Stahlbeton-Treppenhauskerne – in ressourcenschonender Holzkonstruktion realisiert. Die Haupttragelemente bestehen hier aus Brettsperrholzdecken und -wandscheiben sowie Brettschichtholzträgern und -stützen. Die ökologische Holzbauweise reduziert zudem das Eigengewicht des Bauwerks.
Der vertikale Lastabtrag erfolgt über Wandscheiben und Stützen, während die horizontalen Lasten über die innenliegenden Stahlbeton-Erschließungskerne aufgenommen werden. Die Gründung ist aktuell als Flachgründung über eine Bodenplatte geplant, basierend auf einem Gutachten aus dem Jahr 2008. Ein neues Baugrundgutachten kann gegebenenfalls eine Anpassung des Konzepts erforderlich machen.
Wirtschaftlichkeit
Die kompakte und klar strukturierte Gebäudeform gewährleistet eine hohe Flächeneffizienz und maximale Nutzbarkeit, was maßgeblich zur Wirtschaftlichkeit des Neubaus beiträgt. Die einfache Gebäudestruktur ermöglicht nicht nur geringe Herstellkosten, sondern sorgt auch langfristig für niedrige Unterhalts- und Betriebskosten
Ein nachhaltiges und effizientes Energie- und Klimakonzept mit optimierter Kühl-, Heiz- und Lüftungstechnik reduziert den Energiebedarf spürbar und senkt die laufenden Betriebskosten. Durch die geplante Interimslösung kann das gesamte Bauvorhaben in einem einzigen Bauabschnitt realisiert werden, was Zeit, Ressourcen und Koordinationsaufwand einspart.




Brandschutz und Sicherheit
Das Brandschutzkonzept ist speziell auf die Anforderungen einer Feuerwache zugeschnitten. Übersichtlich angeordnete Flucht- und Rettungswege, klar definierte Brandabschnitte sowie feuerbeständige Konstruktionen gewährleisten einen hohen Sicherheitsstandard. Die Funktionsfähigkeit der Einsatzkräfte bleibt auch im Brandfall vollständig erhalten.











